Minza will Sommer: Bratkartoffeln und die Reise zur Erkenntnis | Fünf Fragen am Fünften | März 2018

Montag, 12. März 2018

Bratkartoffeln und die Reise zur Erkenntnis | Fünf Fragen am Fünften | März 2018

Weiter geht's mit dem kurzen Selbstgespräch mit Fragen von Nic / Luzia Pimpinella, die Antwortensammlerin. Ich leg gleich los!

Wenn du ein Gericht zum Essen wärst, was wärst du dann? 
Bratkartoffeln mit Kopfsalat. Weil es mein Lieblingsessen ist und jetzt ne Prise eindeutiger Zweideutigkeit?! ;) Vielschichtig liegen Kartoffelscheiben aufm Teller, nix für mal eben unterwegs, mal kross gebraten, mal butterweich zu frischem Grün vom Feld. Das Ganze aus der heimischen Küche, kein gehyptes Trendgericht vom großstädtischen Dealer des Vertrauens. Auch mal schön, keine Frage. Bratkartoffeln mit Kopfsalat brauchen keine Anglizismen und Modewörter wie Superfood, Bowl, Smorging, Overnight... um marktschreierisch neu entdeckt zu werden, es ist bodenständig, unaufgeregt immerwährend da, ohne Gedöns und lässt sich je nach Belieben ergänzen. 

Mir wär g'rad danach!



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Welches Buch oder welche Bücher liebst du so sehr, dass du es / sie mehr als einmal gelesen hast? 
Mir fällt kein Buch ein, das ich zwei mal komplett durchgelesen habe. Ob als Bewegtbild oder mit Worten ausgelöst, mag ich gute Geschichten, nichts Böses, da reichen mir die Nachrichten und sowas zwei mal zu lesen würde mich eher langweilen. Nebst happy Ends bevorzuge ich die kritische Auseinandersetzung mit Anschauungen die mein Inneres auf den Kopf stellen, mein Denken festigen oder neu positionieren und da lese ich markierte Textpassagen immer wieder mal nach. Zum Beispiel...

Als Jugendliche/junge Erwachsene (vor über 20 Jahren) beeindruckte mich das Buch Traumfänger (Marlo Morgan) mit erläuternden Sicht- und Lebensweisen von Aborigines in Australien, Leben mit der Natur vs. die Schäden an uns und der Umwelt durch unsere Zivilisation, Einbringen der Erkenntnisse in unser Leben heute... Gerade denke ich, vielleicht lese ich dieses Buch tatsächlich noch mal!? 


Vor ein paar Jahren waren es Bücher wie Fairarscht (Sina Trinkwalder), in denen es um die Hintergründe von Konsum und deren Machenschaften geht. Da schaue ich immer mal wieder rein. 


Aktuell und weil ich in zeitlich größeren Abständen lese, doppeln sich Kapitel aus dem Buch Tiere denken (Richard David Precht) um daran anknüpfend weiter zu lesen. Ähnlich wie in seinem ersten Buch zum Thema Mensch/Tier (Noahs Erbe, 1997), geht es um unsere Moral: der Mensch steht über dem Tier, ein Hund/eine Katze ist mehr wert als ein Schwein, ... , philosophische Ansätze, der Irrwirtz unseres Tierschutzes, etc.

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Verflixt, eben den Veröffentlichen-Button gedrückt, jetzt fällt mir doch noch ein Buch ein, dass ich sehr oft gelesen habe → Ich mach Dich gesund, sagte der Bär (Janosch), Streifen verrutscht, alles halb so schlimm... Ihr kennt das!!? 



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Entschuldigst du dich zu oft?
Manchmal entschuldige ich mich reflexartig. Aber weil mich mal an einer lieben Freundin dezent genervt hat, dass sie gefühlt jeden zweiten Satz und die banalsten Situationen mit einem Sorryiiiii kommentierte, gab es eine Zeit in der ich sehr darauf geachtet habe, Entschuldigungen bloß nicht derart inflationär einzusetzen. ;)

Wenn ich was verbockt habe, entschuldige ich mich. Meist fällt es mir leicht, mal braucht es eine Auseinandersetzung zur Einsicht. Entschuldigungen um des lieben Friedens Willen kann ich weder vor mir selbst rechtfertigen, noch schätze ich es bei anderen.

Das schnell entschuldigende dahin gesagte "Er/sie hat es doch nur gut gemeint" treibt oft meinen Puls in die Höhe, ob in eher profanen Situationen und erst recht in existenziellen. Respektlosigkeiten sind Verletzungen. Derart hohle Floskeln setzen unpassenden Situationen noch einen oben drauf, ob selbstverletzend, wenn es der/die Bedachte selber sagt oder wenn ein Gegenüber es damit verharmlost.
Es gut meinen und Gutes tun, sind nicht selten zwei verschiedene paar Schuhe. 

1. Sei es die Freundin die sich auch nach Jahrzehnten noch nicht gemerkt hat, dass man keinen Kaffee trinkt und wieder mit Kaffeemitbringsel in der Tür steht. 2. Die fitte Großmutter die sich über die Bitten der Eltern hinweg setzt und den Kindern allergieauslösende Dinge schenkt - so schlimm wirds schon nich sein. 3. Der Vergewaltiger, der seine Taten als Liebesbeweis empfindet und gängige Moral und Abwehr des Opfers pathologisch ausblendet. Sie beziehen sich darauf, es doch gut zu meinen. Ist es aber nicht, es ist lieblos (1), respektlos (2) und zutiefst niederträchtig (3).

Wenn uns jedoch meine geliebte Großtante Elisabeth in ihrer Demenz besuchte und uns frische Blumen aus ihrem Garten mitbrachte, in der Vase, gefüllt mit Wasser, alles zusammen in ihrer Handtasche, Platz genommen, die Tasche fest in der Hand und ihr Schoß irgendwann nass durchtränkt war, die Blumen zerknickt... Dann war das ein wunderbares "gut gemeint" und das rührt mich, zurück gedacht, bis heute.


Wann und über was hast du das letzte Mal laut gejubelt?
Ich bin in meinem Job als Architektin gerne Mädchen für alles, vom Entwerfen über die Paragraphen- und Zahlenschubserei bis hin zur Bauleitung. Aber es gibt auch verdammt viele Schattenseiten, z.B. mein Desinteresse an tiefergehender Materialkunde von sd-Werten und Primer-Kompatibilität und meine Hasstätigkeit des Anrufens lassen mich nicht vor Wonne erstrahlen. So gab es am Monatsanfang einen inneren Trommelwirbel, 
ein tiefes erleichterndes Seufzen das in dem Rahmen einem lauten Jubeln gleich kommt, als uns endlich (endlich) ein neuer Kollege als Bauleiter vorgestellt wurde, der das tiefergehende Materialzusammensetzungsgedöns von Abdichtungen und Bauteilaufbauten total interessant findet. Yay!

Jubel, Freude, Heiterkeit

Wenn Geld keine Rolle spielen würde, wo würde deine nächste Reise hingehen und wie würde sie aussehen?
So viele Jahre dachte ich, ich müsse auch mal nach Neuseeland wollen, durch Indien reisen, das Dach der Welt erleben, 
von Südafrika träumen, Teeplantagen riechen, in der Antarktis das ewige Eis schmecken, mit Schweinen schwimmen wollen und im Infinitypool in Singapur liegend den Blick über die Stadt genießen. Ich haderte mit Sozialneid, zwar gönnend den Urlaubern, dennoch a weng traurig dass es für mich aus finanziellen und anderen Gründen wahrscheinlich nicht realisierbar sein würde. Ich war mir des Jammerns auf hohem Niveau bewusst und auch darüber, dass Bildung von (Lebens-) Werten auf die es ankommt, weder von Geld, noch von Reisen abhängig ist. Obwohl Reisen natürlich bilden kann und ich partizipier(t)e gern von den Eindrücken anderer, wenn es um mehr geht als mit Schweinen zu schwimmen. In den letzten Jahren dann, hat sich meine Haltung total gedreht. Die Urlaubsträume auf die ich wartete, sind nicht meine.

Was Reisen angeht bin ich einfach verdammt leicht glücklich zu machen und
wenn ich also viel Geld zur Verfügung hätte, würde ich meine Spendenfähigkeit ausbauen und das weniger gut aufgestellten Leuten zugute kommen lassen die sich keinen Urlaub leisten können. Das klingt in diesem unterhaltsamen Blogparadenformat profilierend und das ist mir wurscht. Weil ich selbst als Kind/Jugendliche ohne solche Hilfe von den Kletterbäumen in der Heimatpampa kaum runter gekommen wäre und mir diese "Auszeiten" gerade rückblickend gut taten, liegt mir der Gedanke näher, als mich selbst in die Ferne zu träumen.

Ich würde also direkt vor der Haustür beginnen. Geträumt, mehr als 1-2 Wochen die Zeit vergessen, mit Bulli, Bahn oder Rad fahren bis es schön ist; w
aschen im Bach, schlafen im Zelt, draußen auf dem Gaskocher was brutscheln, zwischendurch ein Konzert, ein gutes Essen im Restaurant, ein Besuch im Museum, Architektur, durch Mode- und Wohnläden der kleinen Orte und großen Metropolen bummeln, ein Gin in der Rooftopbar, tanzend die Nacht zum Tag machen und zurück in die Stille. 


Lanzarote,Timanfaya, Reisen in Stille, die Reiseträume der anderen


Hier bei Nic sind all die Antworten gesammelt auf die immer gleichen Fragen, mit ganz verschiedenen Ergebnissen und manchmal sehr ähnlichen, interessant zu lesen! Und die Fragen für den April sind auch schon da.

Liebe Grüße
. Maren

Kommentare:

  1. Was für wunderbare Antworten, Bratkartoffeln ist eine tolle Wahl!

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    1. Lieben Dank Flo + wie ich gerade bei Dir lese, auf die Kartoffel! :)

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  2. Ach Minza, der letzte Absatz! <3 <3 Und während ich, die nun eigentlich total anders gestrickt ist, grad vor Sehnsucht fast eingeh bei Deinen Worten, fällt mir ein, dass wir im Juni schon einen Bulli gemietet haben. Es geht durch Brandenburg. Wenn Träume so schnell kommen und wahr werden, ist mir das fast unheimlich. Was für ein schönes Leben wir beide führen dürfen.
    Liebe Grüße
    /inka

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    1. Oh Inka, wie schön, ich freu mich für Dich! :) Gerade in den letzten Jahren wieder so hip die Roadtrips und hier sage ich: zurecht! ♥ Und wenn ich schreibe, dass ich an den Reiseerkenntnissen anderer gern teilhabe, dann denke ich u.a. an Deine Berichte aus dem Eis, so beeindruckend!
      Liebe Grüße + schönste Vorfreude auf Juni!

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  3. Liebe Maren,
    auf meinem Bücherstapel liegt auch "Tiere denken", ich lese dann und wann darin und klar kenn ich Janosch Geschichte. Wie rührend Du von Deiner Tante schreibst. Vergangenen Sommer zelteten wir in Dänemark mitten im Wald, kochten direkt am Strand, gewaschen haben wir uns allerdings nicht mit Wasser aus dem Bach, sondern mit Wasser aus dem Kanister, gekocht haben wir direkt am Strand, keine Bratkartoffeln sondern Eintopf - das ist auf Campingkocher einfacher.
    herzlich Margot

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    1. Lieben Dank Margot! Und Dein Urlaub ist mein Traum, klingt herrlich in meinen Ohren und die Bilder die Du mit Deinen Worten zeichnest - wunderbar! :)

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